Eckart Schädrich
Eckart Schädrich


"Für mich ist Kunst Zauberei mit Farbe, Stift und Pinsel, weil ich auf
einem leeren Blatt Papier oder einer Leinwand neue Wirklichkeiten
erschaffen kann"
Eckart Schädrich

Traumzeit

Zu meinen Traumzeit-Bildern wurde ich von der Philosophie der australischen
Ureinwohner angeregt, die den australischen Kontinent schon vor 50000 bis
60000 Jahren entdeckten und besiedelten. Bis zur Kolonisierung durch die
Briten vor rund 250 Jahren konnten sie dort ohne äußere Einflüsse ihre
ganz eigene Kultur und Lebensform entwickeln, angepasst an die jeweiligen
Gegebenheiten der Natur. Mit "Traumzeit" meinen sie dabei eine
metaphysische Wirklichkeit, aus der unsere physische Welt, unsere
Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in einem fortwährenden
Schöpfungsprozess entstehen, und damit auch die Regeln für das
Zusammenleben der Menschen miteinander und mit ihrer Umwelt.
Vielleicht lebten auch die Menschen in Europa, die vor rund 30000 Jahren
die wunderbaren Höhlenmalereien von Lascaux und Chauvet schufen, in einer
ähnlichen Vorstellungswelt. Eine Welt, in der die Menschen noch Teil einer
Gemeinschaft aller Lebewesen waren und andere Arten gleichberechtigt neben
den Menschen existieren konnten.

Wie sehr hat sich unsere Welt seitdem durch unseren Einfluss verändert!
Ausgehend von Europa haben wir uns die Erde, und mit ihr alle Lebewesen,
untertan gemacht. Aus einer angemessenen Verbesserung unserer
Lebensverhältnisse wurde nach und nach eine Lebensweise, die zur
Zerstörung ganzer Ökosysteme bis hin zur aktuellen Klimaveränderung
geführt hat. Und statt uns als Menschheit gemeinsam an die Lösung der von
uns verursachten Probleme zu machen, machen wir so weiter wie bisher: wir
beuten die Natur und andere Menschen aus und führen sogar noch Kriege,
statt unsere Intelligenz zur Lösung der Probleme einzusetzen.

Dieser Entwicklung will ich mit meiner Traumzeitreihe etwas entgegensetzen:
eine Anregung zum Träumen von einer Welt, in der Mensch und Natur
gleichberechtigt und friedlich miteinander existieren. Wir Menschen müssen
erst wieder lernen, Zivilisation und Wildnis miteinander zu versöhnen. Die
Katze, als Grenzgängerin zwischen Natur und Menschenwelt in beiden Welten
zuhause, ist dabei Beobachterin und Zeugin. Auch sie träumt von einer Welt
voll Frieden und Harmonie, in der die Schönheit des Lebens und der
Existenz gefeiert wird. Ja, auch Träume sind Realität – in dem Moment,
in dem sie geträumt werden.
Eckart Schädrich

Landschaften im Licht
von Ursula Seeböck Forster
 

Eine fast geometrische Linienführung kennzeichnet die ruhige,
kontemplative Malerei von Eckart Schädrich. Klare Farben und eine ganz
zpezielle Lichtgestaltung geben den Werken des 1950 in Herrsching am
Ammersee geborenen Künstlers Tiefe und Struktur.
Nach einem Studium an der Essener Folkwangschule besuchte er die
Kunstakademie München und unternahm Studienreisen durch Europa, Indien,
Nepal und Sri Lanka. Fernöstliche Einflüsse sind durchaus spürbar in
Eckart Schädrichs Malerei, die geprägt ist von bayerischen Landschaften.
Dabei ist ihm nicht an der realistischen Topografie seiner Motive in Ober-
und Niederbayern gelegen. Vielmehr ist es seine Intention, die vom Licht
und dem Wandel der Jahreszeiten geprägte Stimmung seiner Sujets
einzufangen. Farbklang, Farbakkorde und das Miteinander der Farben stehen
im Mittelpunkt von Schädrichs künstlerischem Schaffenswerk. Großflächig
und gleichermaßen subtil aufgetragen erzeugt er mit seinen
Farbkompositionen atmosphärische Klangwelten, die den Betrachter tief
berühren.
Seit 1982 werden Schädrichs Malereien deutschlandweit in
Einzelausstellungen, Galerien und Kunstmessen präsentiert.

 

Landscapes in Light
by Ursula Seeböck-Forster
 

An almost geometric line management characterises the peaceful,
contemplative paintings of  Eckart Schädrich. Clear colours and a very
special light design give the works of the artist, born in 1950 in
Herrsching on Lake Ammersee, depth and structure.
After studying at the Folkwang School in Essen, he attended the Munich Art
Academy and undertook study trips throughout Europe, India, Nepal and Sri
Lanka. Oriental influences are quite prominent in Eckart Schädrich`s
paintings, which are characterised by bavarian landscapes.
In doing so, he does not seek to create realistic renditions of the scenic
topography in his motifs of Upper and Lower Bavaria. Rather it is his
intention to capture the atmosphere characterised by the light and seasonal
transitions of his subjects. Colour tones and compositions and the
combination of the colours are the focus of Schädrich`s artistic body of
work. Extensive and equally subtly applied, he creates atmospheric
soundscapes with his colour compositions that touch the viewer deeply.
Schädrich`s paintings hve been presented throughout Germany in individual
exhibitions, galleries and art trade shows since 1982.

Bilder die von Innen leuchten
von Dr. Alfred Gunzenhauser
Das Werk von Eckart Schädrich überzeugt durch seine malerische Qualität
und beeindruckt durch seine Vielseitigkeit, die sich in sehr
unterschiedlichen Werkgruppen zeigt. Das Thema, das sich durch das gesamte
Werk des Künstlers zieht und die scheinbar disparaten Werkgruppen
miteinander verbindet, ist das Zusammenwirken und Ausbalancieren
gegensätzlicher Kräfte.
Das zeigt sich in den Werkgruppen der letzten Jahre.

„Symit“: Symmetrie und Mitte, eine abstrakte Werkreihe, bei der sich
der Künstler auf die Wirkung der Farben bei gleichzeitiger Reduzierung der
Form konzentriert. In spiegelsymmetrischen Kompositionen experimentiert er
mit den Möglichkeiten der Farbe, indem er Gegenpole wie Komplementär-,
Kalt-/ Warm-, Hell-/Dunkel-Kontraste zueinander in Wechselwirkung setzt.

„Landschaft“: in dieser Werkreihe fängt er den Zauber der hügeligen
Landschaft südlich der Donau und des Bayerischen Walds in der für ihn
typischen expressiven Farbigkeit ein, und bringt die Landschaften wie von
innen heraus zum Leuchten. 

„Traumzeit“: hier entführt uns der Künstler in fantastische
Traumlandschaften und schildert in magischen Szenen ein friedliches
Miteinander von Mensch, Tier und Natur.

Sowohl in seinen abstrakten wie auch seinen gegenständlichen Arbeiten geht
es dem Maler um das Miteinander der Farben, die er mit differenziertem
Farbauftrag zu gewagten, höchst ungewöhnlichen Klängen steigert, die
einander gegenseitig zum Leuchten bringen. 

Dr. Alfred Gunzenhauser

Farbfeuerwerk vor der Silhouette des Bayerischen Waldes
von Ines Kohl
Diese verrückten Farben, völlig irre, dachte ich, als ich zum ersten Mal
Bilder von Eckart Schädrich sah. Künstlich, fast psychedelisch, und
dennoch war die Sache stimmig. Das war in einer Ausstellung im Spital
Hengersberg. Kurze Zeit später stolperte ich wieder über eine
Einladungskarte. Die Bilder und ihr Maler waren mir sofort präsent. Rot,
orange, gelb, grün, violett, pink und blau, mit einem Farblicht, das von
innen heraus leuchtet. Niederbayerische Landschaften mit gelb-rosa-grün
leuchtenden Feldern, lichte Laubwälder mit hellblitzenden Blättern,
Bäume, die lange, blauviolette Schlagschatten werfen. Ein unverschämt
grün-gelbes Feld, gesäumt von violett-blaugrünen Büschen, und
mittendrin ein freches kleines, rotes Dach als leuchtendes Zentrum.
Gartenwege, Blumenrabatten, Schatten, die zum abstrakten Muster werden,
Wolken, die am überirdischen Augusthimmel des niederbayrischen Gäubodens
schweben wie auf einem surrealistischen Bild von René Magritte. Vor den
blauen Bergen des bayerischen Waldes mit hoch sich auftürmenden Wolken
erstrecken sich sattgelbe, orangerosa und apfelgrüne Felder in der Ebene,
begrenzt vom Fleckenteppich der Laubwälder. Landschaften wie hinter einer
Glasscheibe, eine Art Aquariumseffekt. Dennoch, der Farbauftrag ist fein
strukturiert, differenziertest abgestuft. In den Formationen der Felder und
Schatten ahnt man noch Eckart Schädrichs abstrakt-geometrische Zeit,
während der er, angeregt durch die Farben der rituellen Volkskunst
Indiens, Kreis und Quadrat zu den Grundformen seiner Malerei machte und
symmetrisch geordnete Bilder in angenehm ruhigen Farbklänge komponierte.
Streifen, die sich auf eine Mitte hin konzentrierten und dort zu einer
ruhenden Achse zusammenfinden, Bilder, die Orte der Kontemplation sind und
den Maler in eine systematische Erforschung der Farbe in geometrischen
Kompositionen führten. In der abstrakten Werkreihe „Symit“
–Symmetrie und Mitte – beschäftigte er sich mit diesem Thema.
Nach der Ausbildung an der Folkwangschule Essen und der Kunstakademie in
München begab Eckart Schädrich sich zunächst auf Reisen durch Europa,
Indien, Nepal und Sri Lanka. Seit rund zehn Jahren lebt der in Herrsching
am Ammersee geborene Künstler in Osterhofen. „Die längste Zeit bisher,
die ich an einem Ort geblieben bin, eigentlich bin ich ein Nomade“,
wundert er sich über sich selbst. Die flache Landschaft zwischen Donau und
Vils sei für ihn geradezu ideal – hier hat er den Bayrischen Wald immer
vor Augen. Es war die Landschaft mit ihren sanften Hügeln und der dunklen
Silhouette des Waldes, die ihn dazu angeregt hat, wieder gegenständlich zu
malen. Und er malt ihn immer wieder, den Blick zum Bayerischen Wald, aus
der Weite des Donautals nach Norden. Die wechselnde Farbpalette der
Jahreszeiten, die reizvollen Wetterstimmungen und die Lichtverhältnisse im
Lauf des Tages vermitteln Ruhe im Klang der Farben. Es ist besonders das
Licht in der Zeit vom späten Nachmittag bis zum Abend, das es ihm angetan
hat. Da ist der Lichteinfall am extremsten, die Schatten sind am längsten
und die Abendsonne taucht die Landschaft in unwirkliche Farben. Nach der
langen Phase abstrakter Bildarbeit scheint er die Landschaft in tiefen
Zügen zu genießen. Sie ist nicht nur Inspirationsquelle, „sondern auch
ein Ort der Selbstfindung. Die Farben und Formen der Natur regen meine
Fantasie an, Bäume und Pflanzen, die Landschaft selbst, entfalten ihren
individuellen Charakter und erinnern mich daran, dass auch wir Menschen nur
ein Teil der Natur sind. Durch meine kleinen Reisen, die ich zwischen
Donau, Vils und Rottal unternehme, offenbart sich mir immer mehr eine
wunderbare Landschaft voll überraschender Lichtspiele, Perspektiven und
Stimmungen, die mir das Erstaunliche unseres Daseins vor Augen führt.“
Diese durchaus romantisch zu nennende Weltsicht – „ein bisschen
Romantik darf schon sein“- findet man in den abstrakten
wie in den gegenständlichen Bildern Eckart Schädrichs, denn vorrangig
geht es um die Stimmung und darum, wie die Bilder mit ihren Farben auf den
Betrachter wirken. In einem „Farbtagebuch“ erkundet der Maler die
unendlichen Farbkombinationen.
Dabei kehrt seine derzeit wieder gegenständliche Malerei fast unmerklich
dahin zurück, wo sie seiner ersten Erinnerung nach herkam: zum
Bildteppich. Der Teppicht, auf dem er Laufen lernte, war ein ägyptischer
Kelim mit geometrischem Muster. Eckart Schädrich führt die Anfänge
seiner geometrisch-abstrakten Malerei auf diesen Teppich seiner Kindheit
zurück. Die gegenständlichen Bilder, auf die er wieder Lust bekommen hat,
seit er in der Donaulandschaft Niederbayerns lebt, sind auch ein bisschen
wie Teppiche. Wie Patchwork breiten sich die Felder vor dem Betrachter auf
der Bildfläche aus, ihre Farben sind dicht verwoben mit den Wegen, den
Wäldern und den Bergen im Hintergrund. Ein gewisser Abstand vom Bild ist
nötig, um die Formen und Farben optisch zu sortieren und bei längerer
Betrachtung stellt man fest, dass der Weg hier wieder in die Abstraktion
führt. Letztlich geht es wohl weder um Orte noch um Geometrie, weder um
Gegenstand noch um Abstraktion, sondern um den Eigenwert der Farbe, um ein
rauschendes Fest aus all den unendlich vielen Tönen. „Musik ist mit
Landschaft vergleichbar“, sagt Eckart Schädrich, der beim Malen auch
gerne Musik hört, und so komponiert er seine Bilder. Dass er das anders
macht als die meisten Maler, zeigt sich daran, dass er keine Entwürfe
macht. Er fotografiert viel und beginnt mit kleinen Ölskizzen, die für
sich genommen schon als vollwertige Bilder zu betrachten sind. Dann folgen
mittlere Formate, die kontinuierlich zum großen Format ausgearbeitet
werden. Die Landschaften wachsen mit den Bildern.
Ines Kohl

Vom Klang der Farben in der Landschaft
von Reiner Meyer
„Mich inspirieren die Farben der Landschaft" sagt Eckart Schädrich und
beschreibt damit einen wesentlichen Impuls für seine Kunst. Diesen Impuls
kann man in gewisser Hinsicht einen romantischen nennen, denn es geht ihm
um seine Gefühle beim Betrachten der Landschaft. Dabei ist dem Maler eine
topographische Bestimmbarkeit seiner Motive weniger wichtig. Vielmehr
trägt die Wiedergabe der Stimmung seine Bilder. Wie verändert der Lauf
der Tages- und Jahreszeiten das Licht und die Farbe der Landschaft? Was ist
mit dem Farbklang, mit den Farbakkorden? An diesen Fragen ist Eckart
Schädrich interessiert. 

Die starke und sehr spezifische Farbigkeit seiner Landschaftsmalerei
erinnert an Werke anderer Künstlerinnen und Künstler, an die von Pierre
Bonnard, Gabriele Münter oder auch an die des frühen Kandinsky.
Schädrich leugnet diese Einflüsse nicht. Warum sollte er auch? Diese
Vorbilder prägten ihn und auf diese Weise entwickelte der Maler sein
künstlerisches Bekenntnis zum Eigenwert der Farbe, eine der zentralen
Errungenschaften der Klassischen Moderne. 

Die Wirkung der Farbe ist seine Hauptintention. Durch das Sujet der
Landschaft wird er zu den Farben angeregt. Er selbst beschreibt es als
einen psychischen Prozess, als ein Tasten und Suchen, wie beim Stimmen
eines Musikinstruments, bis man eben den richtigen Ton respektive Farbton
oder Farbklang gefunden hat. „Musik ist mit Landschaft vergleichbar“ so
Schädrich und damit hat er Recht. Man denke nur an Beethovens 6. Sinfonie,
genannt „Die Pastorale“, oder andere Programmmusik, wie Bedřich
Smetanas „Die Moldau“. Dabei kann man sich beim Hören in Landschaften
hineinversetzen und erlebt das „Erwachen heiterer Gefühle bei der
Ankunft auf dem Lande“. Diese heiteren Gefühle setzt Eckart Schädrich
in Malerei um. Im Übrigen hört er beim Malen auch Musik, womit sich ein
künstlerischer Kreis schließt. Letzten Endes ist es der Gedanke der
Synästhesie zwischen Malerei und Musik.


Titel, wie „Morgenlicht“ oder „Abendlicht“, verraten die Intention
des Malers. Manchmal ist das gewählte Format eher ungewöhnlich, wie bei
dem Werk „Niederbayerische Landschaft im März“. Es ist ein markantes
Hochformat, das bei der Wahl des Sujets Landschaft eher selten zum Einsatz
kommt. Hier ist es aber der Himmel, der mit seinen Blau-, Grau-,Weiß- und
Türkisabstufungen den größten Teil des Bildes ausmacht; und so erklärt
sich hier auch das Hochformat. Das Gemälde „Blick zum Bayerischen
Wald“ mit seinen hintereinander gestaffelten Gründen führte letzten
Endes zu dem Werk „Essenz“, einer bereits vereinfachten Wiedergabe der
Landschaft, die aber als solche noch klar erkennbar bleibt. Eckart
Schädrich ist diesen Weg der Essenz-Bildung – man könnte auch
Abstrahierung sagen – konsequent weitergegangen, was in seinem Werk
„Symit“ deutlich wird. 

Ob aber Landschaft oder ungegenständliche Komposition, immer tragen die
aufeinander abgestimmten Farbklänge die sehenswerten Werke des Künstlers.

SYMIT - Farbe Licht Raum
von Elke Oertel-Mascioni 2006
  

Farbe hat Ausdruck und Wirkung, sie hat Eigenschaften, die innerhalb
unseres kulturellen Kontextes ähnlich empfunden werden. Farben, wie Rot,
Orange und Gelb werden als warm empfunden, Blau-Grün-Töne erscheinen als
kalt. Das entspricht so den Farbenlehren von Goethe, Kandinsky oder auch
Josef Albers. Farben können Ruhe oder Unruhe erzeugen, sie können
angenehm oder abstossend, knallig oder zart sein, stumpf oder leuchtend,
matt oder glänzend, dunkel oder hell, rauh oder glatt, fröhlich oder
bedrückend. Diese Eigenschaften werden oft aus dem polaren Kontrast heraus
wahrgenommen. Sie verbinden sich mit der Wirkung der Farbwerte zu einem
Einfluss auf unsere Stimmung, dem wir nicht entrinnen können. Nach diesem
Prinzip, beziehungsweise nach diesem Gedanken arbeitet Eckart Schädrich in
seiner Reihe Symit. Schädrichs Arbeiten leben nicht von der Darstellung
sichtbarer Realität, sondern vom Ausdruck individueller Stimmungen und
Gefühle.
Seine Arbeiten zeigen differenziert angelegte Farbräume, die nach den
Bildrändern nicht abgeschlossen wirken und sich unendlich über den
Bildraum zu erstrecken scheinen. Man kann sich vorstellen, dass es
weitergeht, aber man kann sich nicht vorstellen, wie es weitergeht. Man
kann das Bild nicht einfach ergänzen oder über die Bildgrenzen hinaus
„weitermalen“.
Eckart Schädrich geht es um die konsequente Anwendung von Symmetrie und
Mitte sowie um die Konfrontation von Vertikal und Horizontal und deren
Rhythmen und Strukturphänomene. Geometrismus und Farbfeldmalerei sind die
beiden Schlagworte, unter denen sich die Bilder Eckart Schädrichs nur
bedingt zusammenfassen lassen. Der Begriff Geometrismus bezeichnet das
Gebiet der abstrakten Malerei, das mit geometrischen Formen arbeitet. Der
Begriff Farbfeldmalerei ist einer Kunstströmumg entlehnt, die sich Ende
der 50er Jahre in den USA entwickelt und im Laufe der 60er und 70er Jahre
weltweit verbreitet hat. Typisch für diesen Stil sind absoluter Einsatz
der Farbe, Verzicht auf spezifische Formstrukturen, Vermeidung jeglicher
Raumillusion und Betonung des Flächigen. Eckart Schädrich hat die
Farbfeldmalerei in sein Repertoire aufgenommen, baut mit Einschränkungen
darauf auf und entwickelt sie auf seine Weise weiter.
Allen Arbeiten gemeinsam ist eine formale Askese und eine reduzierte
Farbpalette und deren subtiles Zusammenspiel. In Schädrichs Werken ist
kein perspektivischer Raum intendiert und dennoch haben seine Bilder eine
Tiefe. Es sind Beziehungen von Farbe, Form und Fläche, die diese Wirkung
hervorbringen, und zwar ohne auf perspektivischen Illusionismus oder ganz
puren Konstruktivismus zurückzugreifen.
Die optische Erfahrung von Farbe als Reiz steht im Zentrum von Schädrichs
Arbeit. Sein Werk ist deshalb auch von ausgesprochener Sinnlichkeit. Die
Farbe kommt dabei nicht nur rational, sondern auch emotional ans Licht. Und
was nach einer gebräuchlichen Redewendung“ans Licht kommt“, das ist
nun tatsächlich sichtbar, nachvollziehbar und erschlosssen. Es ist das
Eigenleben der Farbe als Ausdruck individueller Stimmungen und Gefühle.
Der Künstler verwendet häufig Primärfarben, die gebrochen oder
aufgehellt eingesetzt werden. Das Erlebnis dieser Bildwelten erschöpft
sich nicht in einem kurzfristigen Erlebnis, dessen Reiz schnell verbraucht
ist und dessen Wirkung rasch verblasst. Der Faktor Zeit ist für
Schädrichs Malerei wesentlich, um in geduldiger Betrachtung das zu
beobachten und zu erleben, was zwischen den Farbflächen auf der Leinwand
geschieht. Die Bilder treten mit einem Mal aus ihrer
formalenUnscheinbarkeit heraus, die Farben beginnen ein feines Wechselspiel
in zahlreichen Variationen und Farbschwingungen. Schädrichs Ansatzpunkt
ist die freie geometrische Form, der Kreis und Halbkreis, das Rechteck, das
Dreieck, das Oval beziehungsweise die Elipse, die er symmetrisch im Bild
verwendet. Die Farbkontraste stehen für Energie und Spannung, wobei es
Schädrich gut gelingt, Farbnuancierungen durch Unterschiede in Farbauftrag
und Oberflächenstruktur zu erzielen. Nuancierungen der Tonwerte, oft durch
Lasuren oder Spachtelauftrag erreicht, bewirken eine Abschwächung des
spannungsgeladenen Kontrastes. Ihn interessieren die wechselnden,
lebendigen Oberflächenstrukturen, Verdichtungen und Kompositionen.
Lebendige, kräftige Farbe, zarte Pastelltöne oder auch erdige Töne
machen die Bilder zu echten „Hinguckern“. Durch verschiedene
Malschichten schimmern die Farben hindurch und schaffen so eine
geheimnisvolle und atmosphärische Wirkung. Das Spielerische, die
Impulsität ist immer spürbar. Somit bleibt Raum für Ungenauigkeiten,
Farbnuancen und Farbkombinationen, die von Subtilität zeugen. Desweiteren
arbeitet der Künstler mit dem Streifen. Streifen bindet er in
unterschiedlicher Länge und Farbgebung in ein strenges Ordnungssystem von
Horizontale und Vertikale ein. Die Breite der Farbstreifen, ihre Abstände,
ihre Gruppierungen, ihre Farben und ihre Unterbrechungen werden in jedem
Bild stark individualisiert. Die einzelnen Bestandteile eines Bildes wirken
sehr verschiedenartig und kontrastieren gegeneinander. Die Vielfalt und
Unterschiedlichkeit der Bildelemente fordert uns als Betrachter dazu auf ,
Entsprechungen zu ihnen zu suchen, die man zum Teil auch findet. Aber all
diese „Enstprechungen“ gehen natürlich nicht vollständig auf, denn es
gibt nirgends eine reine Symmetrie oder eine exakte symmetrische Anordnung.
Aber sie erweisen sich als Annäherungen, als Dialoge aus Näherungswerten,
die den Betrachter immer wieder zu neuen Bezugssystemen verführen.
Die Bilder sind so angelegt, dass sie aus der Weite beziehungsweise Ferne
zu erfassen sind und in der Nähe auf dem häufig mit Marmormehl
vermischten Malgrund feine Strukturen und Detailreichtum aufzeigen. Erst
die Nähe zum Bild enthüllt dem Betrachter die Intensität strukturierter
Farben und lässt Zusammenhänge und Farbräume entdecken. Malerische
„Einschübe“ beziehungsweise spontan wirkende „Ausbrüche“, wie zum
Beispiel heftige Pinselhiebe, akzentuieren die Bildmitte. Sie unterbrechen
wie kleine Wellen auf hoher See leise den Grundfarbklangdes jeweiligen
Bildes und garantieren doch die Kontinuität der Gesamtkomposition. Es
entsteht ein optischer Erlebnisraum, der die dritte Dimension nicht mehr
ausschliesst. Starke Farben dürfen sein, aber die Farbharmonie muss
stimmig bleiben.
Eckart Schädrichs gegenstandslose Bilder laden den Betrachter ein, einen
Bildraum zu betreten, denn es geht dem Künstler um optisch autonome
Kompositionen, also um Farbe, Licht und Raum. Der Betrachter kann die
miteinander kommunizierenden Farbfelder durchaus miterleben.
Eckart Schädrich setzt sich intensiv mit Raumschichtungen auseinander und
verzichtet auf Figürliches zugunsten klarer Farbflächen. In seinen
Bildern ist kein perspektivischer Raum beabsichtigt, dennoch haben seine
Bilder Tiefe. Es sind die Beziehungen von Farbe, Form, Fläche und
Malgrund, die diese Wirkung hervorbringen, und zwar ohne pespektivischen
Illusionismus. Seine Bilder tragen keine Titel und lassen somit Raum zur
freien Assoziation.

Elke Oertel-Mascioni 2006